Jun 242013
 

Ich weiß, das sind keine neuen Erkenntnisse, aber welche die ich immer wieder gerne aufzeige, weil sie in der heutigen Zeit immer wieder vergessen werden:
Terroristen geht es nicht darum Menschen zu ermorden. Daß Menschen sterben ist nur ein Mittel zum Zweck – sie wollen Angst und Terror(!) erzeugen. Panik. #prism und #tempora  zeigen daß ihnen das gelungen ist. Die #Terroristen  haben gewonnen.

Terror kann nicht durch schärfere Sicherheitsgesetze bekämpft werden. Schärfere Sicherheitsgesetze sorgen dafür daß die Angst allgegenwärtig bleibt. Sie spielen den Terroristen in die Hände. Sicherheitstheater wie das an Flughäfen bringt nichts ausser daß es den Eindruck einer latenten Bedrohung erweckt und die Passagiere einschränkt. Was es nicht gibt ist das was es verspricht: Ein Sicherheitsgefühl. Das Gegenteil passiert.

Terror bekämpft man nicht durch das Einschränken der Freiheit. Dadurch verstärkt man den Effekt. Terror bekämpft man nicht durch Einschränkung der Grundrechte – denn diese Einschränkung ist das Ziel von Terror. Die gesamte westliche Welt spielt den Terroristen seit 9/11 in die Hände und macht was diese wollen.

Terror bekämpft man nicht durch eine Einschränkung der Pressefreiheit. Was gebraucht wird ist kritischer Journalismus, der aufklärt, aufdeckt, die Hintergründe erläutert. Wissen um etwas nimmt diesem meistens den Schrecken. Wir brauchen eine Presse die (anders als heute) den Islam nicht verteufelt, sondern über ihn aufklärt. Die über die “Terrorstaaten” aufklärt.

Was wir brauchen ist Verständnis. Wissen. Respekt. Nein, nicht das biblische “die andere Wange hinhalten”, sondern verstehen wie was läuft, nur durch Verständnis kann man Dinge verändern. Die Imperatorenmasche funktioniert ja nicht so gut, wie man in der Geschichte immer wieder sieht – es sei denn man schafft es alle Gegner zu vernichten, und auch das klappt im Normalfall nicht.

Wir müssen unsere Grundrechte stärken. Sie zementieren. Uns ihrer wieder sicher werden, denn nur auf diesem Weg kommt man zu einer sichereren Gesellschaft, zu einer stabilen Gesellschaft, die unter einem Terroranschlag nicht zusammenbricht. Die selbstbewusst genug ist um zu sagen “Ihr könnt Menschen umbringen, aber nicht unsere Lebensweise”.

Terroranschläge wird es immer geben.Die sind nicht zu verhindern, auch wenn man die Grundrechte zu einem Hauch von Nichts verkommen lässt und alles überwacht. Das heisst nur daß jeder Terroanschlag noch mehr Furcht sähen wird. “Wir haben schon soviel getan, und trotzdem passiert es”. Es ist die falsche Richtung, in jeglicher Hinsicht.

Terroranschläge sind nicht zu verhindern, aber man kann ihnen einen großen Teil des Terrors nehmen. Durch eine gesunde Gesellschaft, mit gesunden Wertvorstellungen, Zusammenhalt, einem positiven Menschenbild, dem Bewusstsein für Grundrechte und persönlicher und gesellschaftlicher Freiheit.

Erst wenn wir anfangen diese Menschenrechte auf dem “Gegner”, dem “Terroristen” zuzugestehen, erst dann sind wir auf dem Weg den Terror effektiv zu “bekämpfen”.

Jul 062012
 

Dieser Blogeintrag sollte eigentlich als Kommentar zu Udo Vetters Artikel “Gesetzgeberische Infamie” erscheinen. Leider gab es Probleme mit der dortigen Kommentarfunktion, daher erscheint er hier.

Udo Vetter schliesst seinen Blogeintrag zu den “Infamen” (Vetter) Vorgängen rund um das neue Meldegesetz mit der Hoffnung daß jemand aufwacht und das Gesetz in der aktuellen Form somit nicht den Bundesrat passiert.

Und siehe da, es ist wer aufgewacht:
Sigmar Gabriel – dieser fragte tatsächlich auf Twitter wo denn der Protest bliebe. Die Frage die sich hier stellt ist: Warum sollen da wieder die Bürger protestieren wenn Herr Gabriel sich anscheinend der Problematik bewusst ist und direkt auf die ihn umgebenden Politiker und somit indirekt den Bundesrat einwirken könnte.

Natürlich sehe ich uns Bürger als Korrektiv, und sehe auch Sinn darin durch Proteste auf derartige Missstände hinzuweisen, aber: Warum fordert ein bekannter Politiker, ja Bundesvorsitzender einer der größten Parteien, zu Protest auf anstatt selbst auf eine Korrektur des Umstands hinzuwirken? Genauso gut könnte Herr Gabriel auch seine Medienreichweite ausspielen.

Desweiteren: Ich bin gerne bereit dagegen zu protestieren, nur sind die protestierenden Bürger dann plötzlich wieder “Wutbürger”, versuchen eine “Diktatur der Masse”, usw.

Auf die direkte Frage warum er selbst nichts unternähme bekam ich übrigens keine Antwort.

Um mal von meinem Liebling S. Gabriel wegzukommen:
Ist bekannt wielange diese Form des Gesetzentwurfs bei den MdB vorlag bevor diese abstimmen sollten? Ich könnte mir gut vorstellen daß es ähnlich we beim ESM lief, bei dem auch in der Nacht vor der Abstimmung noch große Teile geändert wurden, und die Abgeordneten nichtmal die Chance hatten sich den Entwurf eingehend anzusehen. Warum ist sowas eigentlich statthaft? Selbst bei Parteitagen der Piraten gibt es eine Einreichungsfrist von mehreren Wochen für Anträge, damit jeder die Zeit finden kann sie sich anzusehen.

Herr Altmaier sang nach der Abstimmung das Hohe Lied der Fraktionstreue. Jeder Abgeordnete hätte zwar die Möglichkeit nach seinem Gewissen zu entscheiden, es wäre jedoch sinnvoll mit der Fraktion gesammelt abzustimmen, weil der Wähler so wüsste wofür eine Partei bzw. deren Fraktion stünde.

Auf meinen Einwand daß es den einzelnen Abgeordneten von der Pflicht entbinde sich das anzusehen was er abstimme, schliesslich stimme er ja einfach so wie die Fraktion es will, und so effektiv inhaltliche Debatten verhindert würden, bekam ich keine Antwort. Dabei ist das genau das was man sieht, und das was man von Abstimmungen hört: “Ich habe keine Ahnung was da abgestimmt wird, aber ich richte mich nach der Fraktion, die hat schon recht”

Ich halte das für einen Totalschaden einer Demokratie. Das Parlament hat seinen Posten einer Kontrollinstanz für Gesetze zugunsten der Rolle der Abnicker abgetreten, und wird auch so behandelt. Die Kontrollinstanz hat sich nach Karlsruhe, zum Bundesverfassungsgericht,  verlagert, was so nie gedacht war. Zumindest soweit ich es weiß.

Der ESM ansich setzt diesen Trend fort: Er nimmt dem Bundestag in weiten Teilen die Verantwortung und Entscheidungshoheit über das Budget, und damit einen großen Teil der tatsächlichen Wirkungsmöglichkeiten. Und wieder sind wir  noch ein Stück weiter in Richtung einer Sockenpuppe Bundestag.

Ich wünsche mir sehr daß sich dieser Prozess irgendwann umkehrt, und auch der ESM an Karlsruhe scheitert, und sich die Entscheidungsträger in den politischen Gremien wieder ihrer Pflicht bewusst werden. Wenn ich mir allerdings Sigmar Gabriel ansehe, der nach dem Bürger als Korrektiv schreit, anstatt sich seiner eigenen Verantwortung bewusst zu sein und nach dieser zu handeln, fürchte ich daß wir davon weit entfernt sind.

Jun 172012
 

Der Google-Mitarbeiter Tim Bray hat kürzlich vorgeschlagen einen neuen HTTP-Statuscode einzuführen für Inhalte die aus legalen Gründen nicht verfügbar sind. Der vorgeschlagene Code ist 451, und das nicht ohne Grund. Es gab dazu verschiedenste Meinungen, wie man schön an Peter Piksas Blogeintrag und den Kommentaren darunter sieht.

Ich persönlich halte den Statuscode für eine gute Idee. Versteht mich nicht falsch, ich finde es nicht gut daß wir ihn brauchen, aber als Reaktion auf die aktuelle Lage finde ich ihn sinnvoll. Die aktuelle Situation ist ja daß es Sperrungen aus juristischen Gründen gibt, und man sich die Information darüber aus der Seite ansich herausparsen muss. Mit Statuscode 451 ist es problemlos möglich diese Situation zu erkennen und darauf zu reagieren. Die Reaktion kann sein den Zustand zu dokumentieren (Nibbler sprach da von “Kartographierung”: https://twitter.com/nblr/status/213090140795580416) oder die Information zu nutzen um sich den “gesperrten” Inhalt über ausländische Proxies zu besorgen – automatisiert.

Zudem sagt dieser Code ja schon alleine aus was von dieser Art der Sperre zu halten ist: Nichts. Er ist quasi eine Ohrfeige für die Leute die Sperrungen veranlassen, und rückt die Sperrung bewusst in die Nähe eines (wenn auch fiktiven) totalitären Regimes in dem Information strafbar ist.

Natürlich kann man es so sehen daß es eine Kapitulation vor der Situation ist, ein erster Schritt zur Akzeptanz der Zensur, das sehe ich allerdings anders. Es ist ein Anerkennen der Lage, ein Arrangieren, kein Kapitulieren. Der Code ansich zeigt ja schon daß die Situation nicht wünschenswert ist und somit geändert werden muss. Auch die Möglichkeit diesen Code extern einzuschmuggeln, ähnlich wie bei den DNS-Websperren, ist gegeben, aber: Wer einen 451 einschmuggeln kann könnte auch einen 404 einschmuggeln oder ganz andere Dinge machen. Einen entscheidenden Schritt sehe ich da nicht – im Gegensatz zum Aufbau der dafür notwendigen Infrastruktur, der unterbunden werden muss.

Aug 022011
 

Endlich Urlaub, endlich in Ruhe rasieren

Wer von den Männern nun denkt “Ähm, Urlaub? Rasieren? Ich bin froh wenn ich das mal nicht muss!” dem kann ich versichern: So habe ich auch mal gedacht. Rasieren? Ein Grauen! Ständig wunde Stellen, ausgerissene Barthaare, blutige Stellen, und richtig gründlich ist das nicht.  Auch die (damals fortschrittlichen) drei Klingen sind nervig. Ständig verstopfen sie, sind stumpf, der so toll angepriesene Gleitstreifen ist ganz schnell hinüber, und teuer sind sie auch. Noch schlimmer aber war: daran mich am nächsten und übernächsten Tag wieder zu rasieren brauchte ich garnicht denken, dabei riss ich mir regelrecht die Haut am Hals auf. Ich sah also mindestens zwei Tage danach fatal aus – und unrasiert.

Das kann es ja nicht sein, dachte ich mir, und begab mich auf die Pfade der Elektrorasierer. Nun, ja, günstig sind die auch nicht, aber gut, es ist ja eine Einmalanschaffung. Das war insofern praktisch als daß ich mich auch noch im Auto rasieren konnte wenn ich ich mal spät dran war. Aber: Gründlich ist anders, entweder man rasiert sich so daß man die Stoppel noch deutlich spürt oder man drückt fester auf – und kriegt wiederum wunde Stellen. Zufrieden war ich damit also auch nicht, und als das Gerät irgendwann kaputtging ging ich auch, und zwar zurück zur Nassrasur.

Irgendwann wurde die Unzufriedenheit zu groß und ich beschloss etwas zu ändern. Nach etwas Recherche kam mir die Idee es doch mal ganz klassisch zu versuchen: Nassrasur aber wie zu Großvaters Zeiten: Mit einem Rasierhobel. Gut, das war nicht der erste Schritt. Erstmal versuchte ich es mit Rasiercreme statt Rasierschaum aus der Dose und einer besseren Vorbereitung (siehe Vollprogramm), das verbesserte das Rasurergebnis schon ein wenig, aber die Plastikrasierer  und deren Klingen störten mich immernoch erheblich.

Es wurde dann ein Dovo Merkur 37c, wohl wissend daß der die Haut mehr beanspruchte als andere Rasierer, und man sich leichter mit ihm schneiden sollte. Entsprechend gespannt ging ich dann nach einem Vollprogramm ans Werk. Ich gebe zu, ein wenig Angst hatte ich schon, auch weil man in Filmen immer sieht wie sich Leute prompt schneiden wenn sie so en Gerät nutzen. Die erste Rasur dauerte eine Ewigkeit, ich war enorm vorsichtig, und war verblüfft. Nicht ein Schnitt, und keinerlei Hautreizung. Gut, gründlich war anders, aber viel schlimmer als bei den bisherigen Rasierern war es auch nicht. Aftershavebalsam drauf und das gute Gefühl blieb den ganzen Tag bestehen. Kein Brennen, nichts wund, kein Blut. Toll.

Da ich wusste daß die beiliegenden Klingen (ebenfalls Dovo Merkur) nicht so toll sein sollten habe ich mich dan dabei kundig gemacht und hört daß die Feather Personna Rasierklingen, (eine israelische Marke) wohl so ziemlich die besten sein sollten und bestellte welche via Ebay. Kleine Mengen gab es nicht, also direkt mal 150 Stück, für den Preis von 12€. Ähm, ja, richtig gelesen. 150 Rasierklingen die ein Drittel von dem kosteten was ich sonst für 3er Klingen hingelegt habe – und wie sich herausstellten grob zwei Wochen pro Klinge hielten.  Erste Rasur mit der Personna, nun schon etwas weniger zögerlich, und: WOW! Das war gründlich, und sanft. Wahnsinn. Die Haut war wirklich fast babyglatt, und keinerlei wunde Stellen, garnichts, null. Und die Überraschung: Am nächsten Tag (gut, abends), konnte ich mich wieder rasieren, ohne dabei ein Blutbad zu hinterlassen. Und ich sah am nächsten Morgen immernoch fast wie frisch rasiert aus, das Ergebnis war einen Tag später immer noch besser als was ich je mit Plastik- oder Elektrorasierer erzielt hatte.

Damit war ich nun zufrieden. Oder sagen wir fast: Es gab ja noch die Königsklasse der Rasur, und wer mich kennt weiß es mich reizt mich weiter zu entwickeln. Nachdem ich mir ein wenig Erfahrung mit dem Rasierhobel angeeignet hatte bin ich “aufgestiegen”:

Rasiermesser und Pinsel

Rasiermesser und Pinsel

Ist das edel oder ist das edel?

Nun sollte es also die Messerrasur sein. Und glaubt mir, es ist ein komisches Gefühl sich eine sprichwörtlich rasiermesserscharfe Klinge an das Gesicht zu setzen, und ich gebe zu, mir schlug das Herz bis zum Hals. Aber auch diese Rasur verlief erstaunlich unblutig – und auch schleppend langsam. Aber, irgendwie, so richtig zufriedenstellend war es nicht. Es ziepte, es ruckte, und ich fühlte mich an die alten Systemrasierer erinnert. Enttäuschung machte sich breit. Aber es keimte ein Verdacht: Ich hatte vom Haartest gelesen, bei dem man die Schärfe testet indem man ein lose gehaltenes Haar gegen die Klinge führt. Und siehe da: Test fehlgeschlagen, die Klinge ist stumpf!

So konnte das ja nichts werden.  Also im passenden Forum den Kontakt eines passionierten Hobbyschleifers gesucht und das Messer verschickt. Was ich wiederbekam war weit jenseits meiner Erwartung. Der Schleifer hat nicht nur perfekte Arbeit geleistet, nein, er hat mir auch noch Hinweise zur Pflege des Messers hinzugelegt, und es schön verpackt, mit persönlicher Banderole. Und das als Freundschaftsdienst. (Ja, der Name des Schleifers wird auf dessen Wunsch hin nicht veröffentlicht, er ist viel zu bescheiden um den Ruhm einzustreichen). Also: Auf ein Neues, und ich kann Euch sagen: Die Rasur war ein Genuss. Glatt, sanft, traumhaft. Daß das Messer nun den Haartest bestand muss ich wohl nicht erwähnen, aber ob ihr es glaubt oder nicht, als ich das Haar an das Messer führte hörte ich ein leises “Pling!” als es dieses zerschnitt.

Und nun rasiere ich mich seit über einem Jahr mit einem Messer nass und freue mich auf jede Rasur. Ich kann nun selber bestimmen wie gründlich es wird, und wieviel Zeit es bedarf. Eine Schnellrasur ist in 15 Minuten erledigt, eine genüssliche Rasur am Wochenende oder im Urlaub dauert schonmal eine Stunde mit allem drum und dran. Mit guter Musik im Hintergrund, einfach nur auf das Führen der Klinge achten, geistig völlig fokussieren und trotzdem dabei entspannen. Seit ich die Nassrasur als Hobby und Kunstform entdeckt habe verbessert sich meine Laune durch sie enorm. Ich bin anschliessend entspannt und gut gelaunt.

Einen Nachteil der Messerrasur will ich allerdings nicht unter den Teppich kehren: Man braucht sich nach einer gründlichen Rasur ca. drei Tage nicht rasieren und ist immernoch glatt. Obwohl man eigentlich die Zeit hätte und möchte. Also ja: Es macht süchtig. Es könnte also passieren daß sich bald mehrere Messer und Pinsel sammeln, schliesslich muss man der Klinge ja eine Ruhezeit geben *hust*

Wer jetzt verwundert ist bisher nichts über Schnitte gelesen zu haben: Ich kann Euch beruhigen, es gab und gibt sie. Aber: sie sind zum Einen ziemlich selten, zum Anderen meistens so fein daß man sie nichtmehr  sieht nachdem man einen Blutstiller angewandt hat. Beim Rasierhobel passieren sie genau dann wenn sie auch mit einem Systemrasierer passieren: zu stark aufgedrückt oder Klinge quer zur Haut bewegt. Beim Rasiermesser passieren sie auch bei zuviel Druck oder falschen Anhaltewinkel. Aber: Man hat dann einen Schnitt, und nicht drei bis fünf.

Sollte ich bei einem der Mitleser Interesse geweckt haben sich selbst einmal in die wundervolle Welt der Nassrasur zu begeben kann ich nur das Nassrasurforum ans Herz legen, sowie die Videos von Mantic59, die mir bei den Anfängen sehr geholfen haben. Zum Abschluss noch der Disclaimer: Ich stehe zu eventuell verlinkten kommerziellen Angeboten nicht geschäftlichen Kontakt ausser daß ich da eventuell selber Kunde bin.

Mai 162011
 

Am letzten Wochenende (14./15.5.2011) fand in Heidenheim an der Brenz der Bundesparteitag der Piratenpartei statt. Um diesen geht es hier allerdings nicht, sondern es war für mich ein willkommener Anlass mein neu erworbenes Navi auf Herz und Nieren zu testen. Zugelegt hatte ich mir in der Vorwoche ein Falk Vision 700, die Testberichte lasen sich gut, mehrfach Testsieger, und ein großer Vorteil: Es ist kein TomTom.

Die erste Überraschung erwartete mich nach dem Auspacken: Man sollte das Navi mit dem beiliegenden USB-Kabel an den Rechner anschliessen, da man manche Einstellungen nur per mitgelieferter Software vornehmen könne. Äh, bitte was? Aber gut, gesagt ge-äh, da liegt kein USB-Kabel bei. Nunja, ein passendes Kabel fand sich schnell in meinen großen Kabelkisten, aber andere Leute dürfte das kalt erwischt haben. Nach mehreren Anläufen wurde das Navi gefunden, und ich staunte nicht schlecht: Die installierten Karten waren ein Jahr alt, also musste ich diese erstmal updaten, was einen ganzen Abend dauerte. Die nächste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten: Es sollten Karten für ganz Europa beiliegen, aber auch nach dem Update war Malta nicht zu finden. Das ist umso unschöner als daß ich vorhatte das Gerät mit nach Malta zu nehmen und dort zu verwenden.

Ein wenig getestet hatte ich es vor der großen Tour schon, aber hauptsächlich auf mir bekannten Strecken, und da schlug es sich gut – bis auf zwei Vorkommnisse in denen das GPS keine Satelliten fand, und auf die allererste Fahrt, in der das Ändern einer Route zu einem Reboot des Geräts führte. Nun aber ging es auf große Fahrt, und in eine mir völlig unbekannte Gegend. Perfekt!

Innerstädtisch gab es keine Überraschungen (ausser daß die geschätzte Fahrtzeit stieg anstatt zu sinken), was sich änderte als ich auf die A3 Richtung Köln fuhr. “Dieser Straße für 35km folgen” – 35 km? Das war mir doch etwas zu kurz. Aber da ich eh in die Richtung wollte machte ich mir keine Sorgen, bis: “Bitte verlassen Sie die A3 an Abfahrt A1″. Gut, ich bin geographisch nicht unbedingt der bewandetste, aber das empfand ich nun nicht als sinnvollste Strecke. “Bitte halten Sie sich links” “Fahren Sie nun auf die A3 und folgen Sie dieser 130km”. Äh, bitte, WAS? Das Ding hat mich auf die Ausfahrt geschickt nur damit ich dann wieder auf die Autobahn zurückfahre? Da war ich doch etwas perplex, aber es sollte nicht das einzige WTF-Erlebnis bleiben.

Ich hatte beim Kauf Wert darauf gelegt daß es eine Geschwindigkeitsanzeige gab, weil es schonmal in der Hitze des Gefechts vorkommt daß man ein Schild übersieht und das teuer werden kann. Bei den Einstellungen fand ich dann auch prompt die Möglichkeit eine Geschwindigkeitsgrenze akustisch und optisch anzuzeigen, und sogar Toleranzen konnte man man für verschiedene Straßentypen einstellen. Leider passte die angezeigte und angemahnte Geschwindigkeit in nichtmal 50% der Fälle zum tatsächlichen Tempolimit. Gut, in Baustellen kann ich das verstehen, aber sonst? Auf der A3, auf der sich nur ganz selten etwas ändert? Und das mit den aktuellsten Karten. Sehr enttäuschend und vorallem macht es diese Fähigkeit nutzlos.

Passend zum vorherigen, nutzlosen, Feature gibt es einen Radarfallenwarner, den ich natürlich auch testen musste. Ja, mir ist bewusst, dass das nicht legal ist, ich wollte es auch nur testen, nicht nutzen, ich hatte ohnehin vor mich an die Begrenzungen zu halten. Nun, sagen wir mal, diesen Warner würde ich in einem Scherzartikel vermuten. Der Warnton ist einer Polizeisirene nachempfunden, und beim ersten Auftreten habe ich mich fürchterlich erschrocken, und hätte beinahe einen Unfall gebaut. Den Sound habe ich in der Folge öfter gehört, aber meistens auf Streckenabschnitten auf denen es nichtmal eine Geschwindigkeitsbegrenzung gab. In den zwei Fällen in denen die Warnung stimmte heulte das Ding mehrfach auf, völlig unabhängig von meiner Geschwindigkeit.   Also, selbst wenn dieses Feature erlaubt wäre: Es ist völliger Nonsens, und hilft ganz sicher nicht Radarfallen zu vermeiden.

Was ich, im Gegensatz zum Radarwarner, jedoch unbedingt haben wollte war TMC Pro, also immer aktuelle Verkehrsmeldungen über Radiofrequenzen. Das klappte auch gut, und das immer wieder. Als ich losfuhr meldete mir das TM einen einzigen Stau, welcher nach wenigen Kilometern verschwand – und später wieder auftauchte. Dieses Spiel setzte sich fort, und steigerte sich ins Groteske: Wenn ein Stau unter einer bestimmten Entfernung erkannt wird fragt das Navi ob ich den Stau berücksichtigen möchte, in diesem Fall verneinte ich das, da ich davon ausging daß der Stau aufgelöst wäre bis ich dort war. Da das TMC den Stau immer wieder vergaß erkannte es diesen immer wieder als neuen Stau und fragte mich somit immer wieder. Und das in steigender Frequenz. Ein nutzbares TMC pro sieht für mich anders aus.

Die Fahrt verlief bis zum Ziel relativ unspektakulär, allerdings war das Navi bis 100km vor dem Ziel der Meinung ich würde eine Stunde länger brauchen als ich tatsächlich brauchte. Ab diesem Punkt sprang die Zeit plötzlich in 10-15 Minuten-Schritten auf einen realistischeren Wert. Mein Hotel, in einer Nachbar”Stadt” von Heidenheim, fand das Navi dann auch zuverlässig, wie effizient die Strecke war kann ich jedoch nicht beurteilen.

Nach dem Einchecken wollte ich dann noch zu ein paar Piraten fahren, und nutzte dafür natürlich das Navi. In Heidenheim angekommen riet mir die freundliche Stimme folgendes: “Biegen Sie jetzt rechts ab” “Biegen Sie die erste Möglichkeit rechts ab” “Biegen Sie nun rechts ab” “Fahren Sie nun gerade aus” – also dreimal rechts. Das kam mir schon etwas komisch vor, und staunte nicht schlecht, denn die drei Winkel haben wohl ziemlich exakt 180° ergeben. Ja, richtig, ich wurde einmal im Kreis geschickt, nur um dann gerade aus zu fahren – was mit einem simplen Linksabbiegen wohl einfacher erledigt gewesen wäre. Und nein, an dieser Stelle gab es kein Verbot links abzubiegen.

Auf der Rückfahrt ins Hotel erwartete mich die nächste Überraschung: Das GPS tat mal wieder nicht, und das obwohl mir mein HTC Desire bescheinigte 8 Satelliten zu sehen (Die App die mir das verriet heisst GPS Essentials). Auch Warten behob das Problem nicht. Kein GPS verfügbar. Ich habe das Gerät mehrfach aus- und wieder eingeschaltet, keine Veränderung des Zustands. “GPS nicht verfügbar” Aus- und Einschalten ist übrigens schon eine Folter ansich, da das Gerät 2-3 Minuten braucht bis es in einem nutzbaren Zustand ist. Ich bin sogar 20 Minuten durch die Gegend gefahren um dem Navi zu helfen. Nichts. Hätte ich mein Navi auf dem Desire nicht gehabt wäre ich tatsächlich Lost in Heidenheim gewesen, so jedoch konnte ich ausweichen und zurück ins Hotel finden.

Finden ist wiederum ein gutes Stichwort, denn die nächste Überraschung erwartete mich am nächsten Morgen: Das Navi kannte die Adresse des Congress Centers nicht. Geschweige denn das Congress Center. Nichts gefunden. Gut, GPS zuerst auch nicht, aber das machte da auch nichts mehr. Und wieder einmal musste mein Desire mich retten und zum Ziel führen.

Abends war ich dann in Heidenheim, und als ich wieder zum Hotel wollte gab ich dem Falk eine weitere Chance, und wieder beschlichen mich Zweifel. Wieder einmal wurde ich im Kreis geschickt, da ich wohl in der falschen Richtung unterwegs war, anstatt mir zu raten umzudrehen. Als ich dann in der richtigen Richtung unterwegs war kam ich an eine sehr knifflige Stelle, also genau das wofür man ein Navi mit Spurassistenten haben will – und wieder einmal versagte das Falk ganz. Laut der Karte war ich mit einem Sprung auf einer ganz anderen Straße., und das Teil hat mich dann von dieser aus gelotst. Zum Glück kannte ich die Stelle vom Vorabend, so daß ich nicht auf mein Navi hereinfiel, und nach wenigen Kilometern wusste es auch wieder wo ich war.

Am folgenden Tag habe ich dann garnicht erst versucht das Vision 700 zu nutzen, und ließ mich von meinem Desire zur Hallo lotsen, die Heimfahrt wiederum war die letzte Bewährungsmöglichkeit für das Falk. Es erstaunte mich dann auch nicht wirklich als mir eine andere Strecke als auf der Hinfahrt vorgeschlagen wurde. Diesmal führte mich das Falk von der A7 direkt auf die A3, so wie ich das auf der Hinfahrt auch erwartet hatte, auf der ich jedoch über zwei weitere Autobahnen musste. Positiv überrascht war ich als mir das TMC eine gesperrte Auffahrt zur A3 meldete, und mich dann auf Wunsch drum herum leitete. Der Eindruck wurde allerdings revidiert als ich genau über diese Auffahrt auf die A3 fuhr, und noch besser fand ich daß ich die Frage noch zweimal eingeblendet bekam als ich bereits 10 Minuten lang auf der A3 fuhr.

Es ist mir übrigens auf dieser Fahrt zweimal gelungen das Fahrtziel zu löschen, weil das Touchdisplay so träge ist das ein Druck noch lange genug nachwirkte um bei geändertem Bildaufbau als Tastendruck gewertet zu werden. Das war allerdings eine Ausnahme, sonst brauchte es schonmal 2-3 Versuche bis der Druck akzeptiert wurde.

Alles in allem kann ich mir nicht erklären wie dieses Gerät Testsieger bei irgendwas sein kann. Sollte das jedoch verdient sein sehe ich schwarz für den Navigationsgerätemarkt. Dieses Ding geht jedenfalls bald wieder zurück und ich nehme stattdessen etwas von Becker oder Garmin. Ich hoffe sehr die hinterlassen keinen so vernichtenden Eindruck. Ich sehe nicht wie ich mich auf das Falk Vision 700 verlassen könnte wenn ich es wirklich bräuchte.

Mai 022011
 

Nach langer Wartezeit und großer Vorfreude war es endlich so weit: Thor kam endlich ins Kino. Zur Erläuterung: Ich war (eigentlich bin) großer Fan von Comics, vorrangig aus den Verlagen Marvel und Image, und habe in den 90ern eine große Menge US-Comics gelesen, vorrangig X-Men/Wolverine, Spider-Man, und Spawn, und ab und zu die üblichen Verdächtigen aus dem DC-Lager wie Batman und Superman, wobei ich mich für den Zeichenstil bei DC nie so richtig erwärmen konnte. Ich würde das vermutlich heute noch machen, wenn ich die Zeit dazu hätte.

Zu meiner großen Freude wurden vor einiger Zeit Comicverfilmungen als Kassenmagnete entdeckt, und sogar Marvel selbst hat ein Filmstudio gegründet um ihre Comics angemessen zu verfilmen. Die Folge ist die, daß man als Fan grinsend im Kino sitzt, weil wirklich auf Details geachtet wird, wie z.B. daß in einem der Hulk-Filme Lou Ferrigno zusammen mit Stan Lee durch das Bild läuft. Ersterer spielte vor langer Zeit die Hauptrolle in einer Hulk-Serie, letzterer war prägend für Marvel und hat (auch in Zusammenarbeit mit Jack Kirby und Steve Ditko) legendäre Figuren erschaffen wie Spider-Man, die Fantastic Four, Hulk, die X-Men und somit mit Marvel sowohl das Silver- als auch das Golden Age entscheidend geprägt – so sehr daß alle heute noch davon zehren.

Ich finde daß Marvel da einen großen Schritt gegangen ist, und ich freue mich zu sehen daß diese Filme handwerklich sehr gut und mit viel Liebe gemacht werden. In früheren Zeiten wurden einfach die bekannten Namen zusammengewürfelt und es entstanden Machwerke die einem Comicfan die Zornesröte ins Gesicht treiben konnten. Auch wenn es sich hier um DC-Comics handelt, man vergleiche mal die Tim-Burton-Batman-Trilogie mit dem was Chris Nolan aus Batman gemacht hat. So sehr ich Burton mag, aber das war eine Schande. Ich erinnere mich daß ich nach Ansicht des Burton-Batmans an der Kinoschlange vorbeifuhr und den Leuten riet ihr Geld nicht zu verschwenden. Nolans Batman ist dem Geiste der Comicreihe sehr nah und die Charaktäre agieren charaktertreu. Dafür daß das auch bei Marvel so ist sorgen Leute wie Stan Lee, Jack Kirby und Joe Quesada höchstpersönlich. Quesada ist ein Comic Allround-Talent, arbeitet als Autor, Zeichner und Redakteur, und war über 10 Jahre Editor-in-Chief für Marvel, viele der Story-Lines der letzten Jahre stammen aus seiner Feder.

Marvel Studios haben schöne Filme produziert, zum Beispiel die X-Men-Trilogie, Wolverine – gut, so ganz zufrieden bin ich da nicht, was aber daran liegt, daß X-Men und insbesondere Wolverine immer meine Favoriten waren, und ich bei sowas sehr empfindlich und penibel bin – und die Spider-Man-Reihe, die ich für eine Ecke gelungener halte. Manches wurde verfilmt das nichtmal als Comicverfilmung bekannt wurde, wie z.B. Blade. Diese Filme waren allerdings alleinstehend, und spielten in ihren eigenen Universen. Dieses hat sich mit Iron Man geändert: Sämtliche Filme die seither neu erscheinen, und nicht, wie z.B. X-Men, Teil einer Filmserie sind, spielen im selben Universum – und laufen auf das Hilight “Avengers” zu.

Die “Avengers” sind ein Team von Marvel Superhelden, angeführt von Captain America, und sie beinhalten im aktuellen Marvel Universum sowohl Iron Man als auch Wolverine, und – tada! – Thor. Und nun ratet mal welcher Superheld nach Thor seinen eigenen Film bekommt: Richtig, vor Thor lief Werbung für Captain America. Der Weg zeichnete sich schon mit dem Auftauchen von Nick Fury von bzw. und S.H.I.E.L.D. ab, und wird konsequent weiterverfolgt. Marvels derzeitige Strategie scheint also zu sein die Haupt-Charaktäre von Marvel vorher in einem eigenen Feature darzustellen und ihre Geschichte zu erzählen damit die Zuschauer bei Avengers direkt im Bilde sind und man dort keine Erzählzeit auf die Herkunft verschwenden muß. Das finde ich eine geschickte Strategie, und es ist sicher eine sehr profitable für Marvel. So etwas ähnliches haben sie auch bereits mit Comics gemacht, dort gibt es die ORIGINS-Reihe, die das Vorleben beliebter Helden beleuchtete und vertiefte. Das war bitter notwendig, da das Marvel Universum einem steten Wandel unterzogen war, und es oft mehrere konkurrierende Herkunftsgeschichten der Helden gab – Marvel hat es da dann geschafft aus dem selbst geschaffenen Chaos nochmal Gewinn zu schlagen und die Aufräumarbeiten bezahlt an den Mann zu bringen.

Nun aber, nach langer Vorrede zum aktuellen Film: Es war für mich der erste 3D-Film und ich fand daß es sich gelohnt hat. Die Optik war brillant, und das 3D hat für wirklich atemberaubende Momente gesorgt. Allein die Besuche in Jotunheim haben schon für einen offenstehenden Mund bei mir gesorgt: beeindruckend. Auch Asgard war eine nahezu perfekte Umsetzung des Comic-Vorbilds, die Kostüme hingegen hinterliessen einen gemischten Eindruck. Die Hauptfiguren (Thor, Loki und Odin) sahen richtig gut aus, in vieler Hinsicht deutlich besser als in den Vorlagen, die asgardischen Nebenfiguren jedoch, nun, sie hatten eher den Charme des Dilletantismus. Als Sif und Thors Freunde durch New Mexico liefen erinnerten sie mich an General Zod aus den alten Supermanfilmen mit Christopher Reeve. Es wirkte nicht beeindruckend sondern ein wenig lächerlich. Ich unterstelle Kenneth Branagh mal daß es genau so gemeint war, als Hommage ;)

3D ansich habe ich ja das erste Mal gesehen, und ich habe den Eindruck daß es noch nicht der Weisheit letzter Schluß ist. Zum einen ist die Leinwandgröße problematisch, diese müsste eigentlich das gesamte Blickfeld ausfüllen und noch darüber hinaus, schliesslich wirkt das 3D nichtmehr so wenn Dinge vom Bildrand abgeschnitten werden, wie z.B. bei Odins Stab geschehen. Zum Anderen bedarf es um 3D wirklich effektiv in Szene zu setzen eine andere Kameraführung als bisher, zumindest hatte ich den  Eindruck. Wenn z.B. eine Person auf die Kamera zuläuft war es bislang so daß die Kamera meist schwenkte um der Person zu folgen, sinnvoller bei 3D wäre es die Person aus dem Schirm raus und ins Seitenaus rennen zu lassen. Das klappte bei Thor manchmal, und dann wiederum nicht. Ich denke da wird man noch üben müssen. Negativ ist mir aufgefallen daß schnelle Bewegungen eigentlich immer verschwommen waren. Ich werde wohl noch einen Film in 3D sehen müssen um mir im Klaren zu sein ob es an der 3D-Technologie ansich liegt oder ob das einfach eine Eigenart dieses Films war

Die Geschichte von Thor war mir leider zu simpel und ich habe die Avengers zuviel trapsen gehört. Der Großteil des Films ging gefühlt dafür drauf um das “Setting” und Thors Hintergrund zu erklären, viel mehr tat sich da für mich nicht. Das fand ich etwas schade für alle Comicfans, die das ja nun alles schon kannten, und es bestärkt mich darin daß es alles auf die Avengers hinausläuft. Auch der Trailer von “Captain America” machte deutlich daß dort nur die Geschichte erzählt würde wie aus Steve Rogers der (erste) Captain America wurde – es sind sozusagen Wegbereiter und wenig eigenständiger Film, das war bisher anders. Nichts desto trotz hat es Spaß gemacht den Film zu gucken, schon weil wieder viele Anspielungen kamen, wie z.B. eine der Hauptfiguren von einem Doktor erzählt der sich mit Gammastrahlen auskenne – was natürlich eine Anspielung auf Bruce Banner aka The Incredible Hulk war. Oder auch zu schauen wo Stan Lee diesmal steckt, ich sage nur soviel dazu: Es war überraschend, und es gab indirekt sogar einen zweiten Auftritt.

Die Figuren waren mit viel Liebe gestaltet, und besonders Anthony Hopkins hat Odin exzellent mit Leben gefüllt, es war eine wahre Freude ihn dabei zu beobachten. Tom Hiddleston (Loki) und Chris Hemsworth (Thor) waren mir bisher nicht bekannt haben aber einen überzeugenden Einstand gegeben, wobei ich Loki besser gespielt fand. Es kann allerdings auch daran gelegen haben daß ein intelligenter Bösewicht mehr Entfaltungsspielraum gibt als es ein tugendhafter Held vermag. Ich bin gespannt wie sich Chris Hemsworth bei den Avengers schlägt. Schön war es auch Stellan Skarsgård und Rene Russo mal wieder in Aktion zu sehen, um beide hatte ich den Eindruck war es die letzten Jahre eher ruhig. Gerade bei Frau Russo kann ich mich eigentlich seit Lethal Weapon 4 kaum erinnern sie mal wieder irgendwo so deutlich gesehen zu haben, un das obwohl sie nur wenig Screentime als Frigga hatte.

Die große Enttäuschung war für mich Natalie Portman, die ich doch sehr belanglos und farblos fand in der zweiten Hauptrolle. Vermutlich hat sie sich nach der oskarprämierten Leistung in “Black Swan” etwas ausgeruht, oder die Schwangerschaft war doch mehr Belastung als sie wahrhaben wollte.

Mein Fazit: Sehenswerter Film, man sollte allerdings nicht zuviel originäre Story erwarten. Wenn es einem reicht die Hintergrundgeschichte von Thor ausführlich und in opulenten Bildern zu sehen ist man dort genau richtig. Unterhaltsam war der Film alle Mal, und die CGI war äusserst gut gemacht. 3D wurde an vielen Stellen sehr eindrucksvoll genutzt, wenn auch nicht durchgehend.

Apr 282011
 

Ahoi Piraten,

etwas geht mir schon lange im Kopf herum: Ich sehe bei vielen von Euch erste Anzeichen des Burnout-Syndroms. Um den Artikel der Wikipedia zu zitieren:

Ein Burnout-Syndrom (englisch (to) burn out: „ausbrennen“) bzw. Ausgebranntsein ist ein Zustand ausgesprochener emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit. Es kann als Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden, die mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie, psychosomatischen Erkrankungen und Depression oder Aggressivität und einer erhöhten Suchtgefährdung führt

Das wird sicher jedem bekannt vorkommen der sich den aktuellen Zustand der Parteienkommunikation ansieht.

Aus diesem Grund möchte ich jeden bitten der ähnliches bei sich bemerkt: Nehmt Euch zurück! Ja, das meine ich ernst. Eine Partei wie die Piraten lebt vom Mitmachen, und zwar möglichst langfristig. Mit Leuten die frisch hereinkommen, dann bis zum umfallen ackern und dann plötzlich wegbrechen ist niemandem wirklich geholfen.

Bei allem Enthusiasmus:

Zieht Grenzen!

Macht nur was ihr wirklich machen wollt, und vorallem nur soviel wie ihr könnt. Wie auch im Berufsleben ist es wichtig Grenzen zu setzen, sonst geht man schnell unter und wird überfordert. Überforderung führt zu Frust und im Endeffekt auch zum Burnout.

Habt noch ein Leben neben den Piraten!

Es gibt nicht wenige Piraten die in ihrer Freizeit fast ausschliesslich von Piraten umgeben sind. Hobby? Piraten. Freunde? Piraten. Langeweile? Abhängen im dicken Engel oder sonstigen Mumble-Räumen. Ich halte das nicht für gesund. Egal wohin man schaut nur Piraten zu sehen führt für mich zu einem eingeschränkten Blickwinkel und einer Art “orangenem Elfenbeinturm”. Ausserdem gibt das unterbewussten Druck, denn es schränkt einen in der Entscheidungsfähigkeit ein – angenommen man möchte die Piraten verlassen oder Pause machen, wie sollte man das tun? Es gibt keinerlei Rückzugsort mehr, man müsste sein ganzes soziales Umfeld verlassen.

Lasst Euch nicht unter Druck setzen

Gerade in den letzten Tagen habe ich mehrfach Vorwürfe gelesen wie daß Piraten doch gefälligst ihre ganze Energie in die politische Arbeit bei den Piraten zu stecken haben. Das ist völliger Unsinn, lasst Euch da nichts erzählen. Es handelt sich um eine ehrenamtliche und somit freiwillige Arbeit, ihr entscheidet worein Ihr wieviel Energie steckt.

Andersherum gilt:

Setzt andere nicht unter Druck

Nur weil Ihr 40h in der Woche für die Piraten arbeiten könnt, können und wollen das andere nicht, und ihr habt auch keinen Anspruch darauf daß sie es tun. Akzeptiert die Grenzen Anderer. Es ist schön daß ihr die Energie dazu habt, aber macht niemandem zum Vorwurf daß sie es nicht können oder wollen.

Ja, es gibt Arbeit die gemacht werden muss, und Pflichtbewußtsein ist toll, aber das hat Grenzen. Leute das um die Ohren zu hauen was man selber tut ist unfair. Ihr macht das auch weil ihr es machen wollt.

Habt kein schlechtes Gewissen

Wenn ihr Pause macht: macht Pause. Erholt Euch, entspannt Euch, macht was ihr wollt, aber eins nicht: Habt kein schlechtes Gewissen weil ihr gerade nichts für die Piraten macht.

Denkt immer daran, die Piraten sind ein Vehikel kein Selbstzweck. Wir haben Ziele die wir erreichen wollen, aber dabei dürfen wir keine menschlichen Ruinen hinterlassen.

Apr 162011
 

Am 16.04.2011 fand in Düsseldorf ein Diskussionsnachmittag unter dem Motto “Datenschutz vs. Post-Privacy” statt, den die Piraten Düsseldorf ausgerichtet hatten. Wie man dem Link entnehmen kann gab es drei Referenten: Jochim Selzer (@jselzer), Michael Seemann (@mspro) und mich.

Jochim hielt zum Auftakt einen Vortrag über Datenschutz, und wie er die chronologische Entwicklung der Post-Privacy-Bewegung bis hin zur @Spackeria miterlebt hat, und wo er den Konflikt zwischen Spackeria und dem Datenschutz verortet. Ich fand ihn sehr gelungen und sehr treffend, und Jochim sprach viele Dinge an die ich in meinem Vortrag, der den Abschluss bildete, nochmal weitergehend beleuchten konnte. Er versetzte mich allerdings auch in die schwierige  Situation vieles wiederholen zu müssen, da ich ansonsten 70% meines Vortrages hätte streichen können.

Michael bot uns die schöne Gelegenheit sein Panel von der re:publica 2011 zu sehen ohne uns dafür allzu weit bewegen zu müssen, und ich fand ihn sehr sehenswert, ich teile Fefes Meinung da nicht. Was sicherlich sehr überraschend ist, da ich ja vehementer Datenschutzverfechter bin: Ich teile Michaels Analyse an vielen Stellen und kann seine Meinung gut nachvollziehen, allein, ich kann die Schlußfolgerung nicht teilen. Die “Spackeria” bezieht sich in vielen Punkten argumentativ auf diesen “Kontrollverlust” und er ist gewissermassen ein Teil des theoretisch-philosophischen Unterbaus.

Ich bildete den Abschluss der vierteiligen Vortragstrilogie, denn ich hielt gleich zwei Vorträge nacheinander. Diesen perfiden Schritt unternahm ich weil der zwar einerseits den Grundlagenvortrag des AK Datenschutz NRW vorstellen wollte, weswegen ich eingeladen war, aber natürlich meine eigene Sicht der Dinge äussern wollte. Die ursprüngliche Idee das in einen Vortrag zu verwandeln verwarf ich schnell, da ich eine strikte Trennung zwischen dem AK und meiner persönlichen Meinung haben wollte. Mein persönlicher Zusatzvortrag findet sich hier (OpenOffice.org Impress) bzw. hier (PDF). Ich denke auch daß meine Position recht klar aus den beiden Vorträgen hervorgeht, möchte sie also hier nicht in jedem Detail wiederholen.

Achtung! Der verlinkte Vortrag des AK Datenschutz NRW ist nicht zu 100% der den ich gehalten habe. Er unterscheidet sich nur minimal, da ich ihn leicht überarbeitet hatte. Ich warte noch auf Rückmeldung ob meine Überarbeitung Anklang findet, vorher lege ich die neue Version nicht ins Wiki. Inhaltlich ist es jedoch identisch, von fehlenden Vortragsnotizen abgesehen.

Im Anschluss an die Vorträge entspann sich eine von manchem Telnehmer mit viel Leidenschaft geführte Diskussion, aus der ich mich möglichst ausnahm, da ich ja bereits ein gutes Forum hatte um meine Meinung zu äussern. Zudem gab es mehrere Dinge für die dort einfach der Platz fehlte, und zu denen ich mich hier in längerer Form äussern möchte.

Das Recht auf Lügen

Diese von einem Diskutanten aufgebrachte These sorgte für Zündstoff und auch heftige Reaktionen, teilweise wurde ihm Skrupelosigkeit untestellt, oder Leute gruselten sich. Die Aussage daß Post-Privacy gegen dieses Prinzip verstoße und somit die Menschenrechte verletze fand ich unpassend, halte sie jedoch für eine bewusste rhetorische Überspitzung.

Wobei, so ganz weit hergeholt fand ich das nicht. Das Recht zu lügen existiert, und ich halte es für essentiell und es leitet sich für mich auch aus der Menschenwürde ab, und gehört zu meiner freien Entfaltung. Um das vorweg zu schicken: Ich darf lügen, aber sollte  aus dieser Lüge Schaden entstehen sollte und kann ich dafür haftbar gemacht werden, und in schwereren Fällen ist es Betrug. Aber um diese Art Lügen ging es auch nicht bei der Wortmeldung.

Man mag es nennen wie man will, Recht auf Lüge wurde es an dem Abend genannt, und ich nenne es hier weiterhin so. Und ja, dieses Recht gibt es, oder andersherum: Niemand hat ein Anrecht darauf daß ich ihm alles sage, und insbesondere daß meine Aussagen der Wahrheit entsprechen. Es gibt gewisse juristische Pfade bei denen das Anrecht eingeräumt wird, wie z.B. beim Eid. Wenn ich einen Eid leiste bin ich verpflichtet diesem Folge zu leisten, z.B. vor Gericht die Wahrheit zu sagen. Abseits davon: “Die Gedanken sind frei”, die Aussagen die ich tätige ebenso.

Und das ist auch gut so! Ich gebe es hier an dieser Stelle offen zu: Ich lüge. Ständig. Eigentlich fast jeden Tag mehrfach. Es können die einfachen Sachen sein wie dem nervigen Nachbarn einen schönen Tag zu wünschen, um des lieben Friedens Willen, oder größere wie bestimmte Verhaltensweisen zu leugnen. Ich wette so geht es vielen Leuten wenn sie länger drüber nachdenken. Oftmals ist ein “Darüber will ich nicht reden” eine Bestätigung oder kommt so an, und dann lügt man und verneint eine Frage, einfach weil man nicht mit demjenigen über etwas reden möchte – und das mit vollem Recht.

Jeder Mensch hat verschiedene Zonen/Distanzen, körperliche werden von der Proxemik untersucht, und in Öffentliche, Soziale,  Persönliche und Intimdistanz unterteilt und auf bestimmte Entfernungsrichtwerte festgelegt. Meiner Erfahrung nach gibt es diese oder ähnliche Zonen/Sphären auch in der Psyche der Menschen (*), wie die Öffentlichkeit, die Privatsphäre und die Intimsphäre. Wie auch in der Proxemik gibt es Unterschiede je nach Kultur, aber auch je nach Mensch. Manche Leute lassen mehr Leute nah an sich heran, physisch oder geistig, als andere. Manche haben nur zwei Zonen, manche vier die sie unterscheiden. Japaner haben z.B. noch viel mehr kulturtechnisch festgelegte Kreise. Da ist z.B. die Familie oder die Firma jeweils ein (innerer) Kreis (uchi benannt), und jeder der nicht in diesem Kreis ist ist ein gaijin und nicht befugt Fragen darüber zu stellen. Sicher löst sich das dort langsam auf, aber es soll auch nur ein Beispiel sein.

(*) Ich bin kein Psychologe, man möge mich korrigieren wenn ich Unsinn rede

Es ist eine klassische Sache, wenn jemand sich in unsere Intimdistanz stellt wird das meist als Herausforderung verstanden. Das kann negativ sein: Wenn ich jemanden einschüchtern will trete ich direkt vor ihn und mache mich so groß und breit wie möglich, verletze seine Intimdistanz und versperre ihm die sichtbaren Fluchtmöglichkeiten so gut es geht, es bahnt sich ein Gewaltkonflikt an. Oder auch positiv: Ein für mich attraktiver Mensch begibt sich in meine Intimdistanz und plötzlich fängt es an zu kribbeln, eine sexuelle Herausforderung entsteht. Das klappt allerdings meist nur dann wirklich wenn schon eine gewisse Sympathie besteht, intuitiv wissen das die meisten Leute, daher steigert sich die körperliche Nähe bei einem Flirt langsam.

Psychisch ist das nicht viel anders. Angenommen verschiedene Leute stellen uns dieselbe Frage – was passiert? Bei beliebig oberflächlichen Fragen nicht viel, aber was ist wenn jemand mit einer Frage unsere Intimzone verletzt? Als Beispiel möchte ich ein Extrem anführen wie Sexphantasien mit einem nahen Familienangehörigen, oder tatsächlich vollzogener Verkehr. Wie reagiert man darauf, wenn man sowas aus heiterem Himmel gefragt wird? Man weiß daß es gesellschaftlich geächtet ist, und daß ein “Darüber will ich nicht reden” vermutlich als “Ja” verstanden wird, schliesslich ist die Annahme daß man es sonst verneinen würde.

Das aber nicht genug. Bitte einmal in diese Situation versetzen und vorstellen wie die Antwort wäre wenn verschiedene Leute fragen: Passant, Partybekanntschaft, flüchtiger Bekannter, Bekannter, Freund, Lebenspartner. Natürlich kann man nun einwenden daß eine solche Frage ja meistens aus einer Situation heraus kommt die diese Frage zulässt, aber: Noch weiter drüber nachgedacht wird man feststellen daß man nicht mit allen der oben genannten Menschen überhaupt in eine Situation kommen wird die eine derartige Frage erlaubt.

Ich wette der Großteil der Menschen die das hier liest wird mehrere Schattierungen von “Ich reagiere verärgert” über “Ich lüge und verneine” bis hin zu “Ich sage die Wahrheit” durchlaufen, und zwar genau in der Reihenfolge, und vermutlich immer ehrlicher werden bis zum Lebenspartner. Und auch dem wird man das oft nur unter bestimmten Vorausetzungen sagen, und auch dann erst wenn klar ist daß diese Voraussetzungen gegeben sind.

Lügen sind oft ein Selbstschutz – oder ein Schutz des Anderen. Angenommen mein bester Freund kommt mit seiner Freundin zu mir und stellt sie mir mit Herzchen in den Augen vor, und fragt mich nachher nach meiner Meinung. Für mich ist es eine der ekelhaftesten Frauen die ich kenne, aber sollte ich ihm das wirklich sagen? Schliesslich ist er glücklich mit ihr, und das ist das was zählt. Wenn ich meinem Kumpel aber meine Meinung sage lege ich einen Schatten auf seine Beziehung, da er meine Meinung sehr schätzt. Also sage ich daß die Frau nett finde oder sage daß sie nicht mein Fall wäre, ich mich aber für ihn freute. Und natürlich ist das eine Lüge, schliesslich ist sie ja nur nicht mein Fall sondern ich finde die Frau grauenhaft. Sagen muss man das allerdings nicht.

Anmerkung dazu: Ich selbst bin in solchen Fällen schonungslos offen, man fragt mich besser nicht Dinge bei denen man nicht alle Antworten akzeptiert, und erwarte das so auch von allen Freunden.

Was und wieviel seiner Gedanken man an wen verrät liegt im eigenen Ermessen, und da sollte es auch bleiben, und ich halte Lügen für ein probates Mittel um diese zu schützen, denn im Zweifel geht es um die eigeen Grundbedürfnisse und um die eigene Würde. Wenn es mir nicht erlaubt wäre zu lügen hiesse es daß  ich in meiner Entfaltungsmöglichkeit eklatant eingeschränkt wäre.

Es ist da auch völlig egal ob andere Leute die Einschätzung teilen daß man durch mitteilen seiner Gedanken in der eigenen Würde verletzt würde – da das niemand ausser einem selbst beurteilen kann. Die eigene Würde wird dann verletzt wenn man sich entwürdigt vorkommt, nicht wenn jemand anderes meint es wäre zumutbar. Es können also viel banalere Dinge sein die ich mit Lügen schütze, das spielt keine Rolle. Das Extrembeispiel oben habe ich nur gewählt in der Hoffnung den Punkt jedem Leser klarzumachen.

Nur der Vollständigkeit halber: Es gibt natürlich auch den Fall daß man einem völlig Fremden eher beschämende  Dinge erzählt als dem Lebenspartner. Die Wahrscheinlichkeit diesen Menschen wiederzutreffen ist gering und man kann man über etwas reden worüber man sonst spricht ohne das Risiko seine Beziehung zu belasten oder zu schädigen. Das sehe ich allerdings nicht als Gegensatz, und es führt mich auch indirekt zum nächsten Thema:

Beziehungen und Intimsphäre

Ich stellte in meinem Vortrag die These auf, daß Intimsphäre für das Führen einer tiefergehenden Beziehung Voraussetzung wäre. Ich wurde gebeten diese These zu vertiefen, was ich hier gerne tun möchte.

Während ich den vorherigen Teil schrieb wurde mir klar wie nahe sich die beiden Themen sind. Es geht auch hier um das Thema Distanzen. Und es geht zum Teil auch um Ehrlichkeit – und um das Teilen von Geheimnissen. Je näher mir ein Mensch steht desto mehr meiner intimsten Gedanken teile ich, und desto mehr teilt dieser Mensch mit mir. Das können Wünsche sein, Ziele, schöne und schreckliche Erlebnisse, einfach Dinge die ich anderen Menschen nicht erzähle, weil es diese nichts angeht. Dadurch, daß z.B. meine Partnerin mehr von meinem inneren Selbst weiß kennt sie mich besser, ich fühle mich dadurch besser aufgehoben, dadurch dass ich mehr von ihr weiß wird sie mir vertrauter – und ich vertraue ihr wiederum mehr (an). Ein Geheimnis zu teilen verbindet.

Natürlich ist das alles nicht zwingend notwendig, und es gibt sicher Paare die ohne dieses können, aber es gibt gibt hier bereits ein Post-Privacy-Experiment, nur daß es sich “Stars” nennt. Da kann man schön sehen was passiert wenn Paare kaum Privatsphäre haben, und alles offengelegt wird. Die Scheidungsrate da ist bekannt. Und wie gesagt, wir reden da nur von der Privatsphäre, was das erst für die Intimsphäre heissen muss kann sich jeder selbst ausmalen.

Aber das ist nicht alles, man braucht nicht nur eine gemeinsame Intimsphäre, man braucht sie auch voreinander.  So seltsam das auch sein mag, aber was wäre denn wenn alles voreinander offenläge? Nichts womit man den Anderen überraschen kann, kein Geschenk, keine Überraschungsparty bleibt geheim, nichts was es noch zu entdecken gäbe, keine Spannung. Ja, nach vielen Jahren einer Beziehung glaubt man den Partner wie ein offenes Buch lesen zu können, und in bekannten Situationen mag das stimmen, aber kaum taucht etwas auf das vorher nicht passiert ist kann sich der Partner unerwartet verhalten, Und so muß es auch sein. Erfolgreiche Beziehungen sind die in denen die Partner nach Jahren/Jahrzehnten immernoch für eine Überraschung gut sind.

Natürlich gibt es noch mehr Faktoren die für eine Beziehung wichtig sind, aber wie soll man sich verlieben ohne Geheimnisse, ohne Neugier, ohne die kribbelnden Momente bei denen nicht klar ist was passieren wird? Ohne die bereits erwähnte Herausforderung durch Eindringen in die Intimzone, sei es körperlich oder psychisch?

Auch möchte man seinem Partner eventuell manche Dinge (noch) nicht erzählen, sei es weil das Vertrauen (noch) nicht groß genug ist, oder weil man weiß/ahnt daß eine Enthüllung die Beziehung schädigen (könnte), obwohl sie mit dem Partner selbst reichlich wenig zu tun haben. Als Beispiel sei eine erfolgte Abtreibung erwähnt, wenn der Partner selbst vehementer Abtreibungsgegner ist und Menschen verurteilt die abtreiben. Sowas muss man nicht erzählen, und kann warten bis man der Meinung ist daß die Beziehung diese Enthüllung aushält.

Da ich denke diesen beiden Themen nichts neues mehr hinzufügen zu können möchte ich abschliessend anmerken  daß ich kein Psychologe bin und alles von mir erwähnte subjektive Eindrücke sind. Ich erhebe nicht den Anspruch auf Allgemeingültigeit und gebe allein meine eigene Meinung wieder. Gegenthesen sind natürlich herzlich willkommen.

Feb 142011
 

Allgemeines

Die Piratenpartei, deren Mitglied ich bin, behauptet gerne die Partei der Medienkompetenz zu sein, und hat in weiten Teilen, und insbesondere im Vergleich mit den sogenannten Volksparteien, sicherlich auch Recht. Derzeit gibt es allerdings Vorkommnisse, die mich an der vielbeschworenen Kompetenz zweifeln lassen, auf die ich gerne eingehen möchte.

Ausgangssituation

Neben vielen anderen Medien vie Twitter sind Mailinglisten ein zentraler Kommunikationskanal der Piraten, für uns in NRW ganz besonders die Nordrhein-Westfalen-Mailingliste. Daß diese Mailingliste mit einem Forum und einer Newsgroup abgeglichen wird ist für diesen Fall nicht wichtig, wobei es jedoch einen Punkt schön illustriert, dazu später mehr.

Der Konflikt

Die NRW Liste wird seit einiger Zeit von einem Troll heimgesucht, jotun. Ja, ich nenne ihn einen Troll, auch auf die Gefahr hin, daß mir nun Leute wieder vorwerfen zu verharmlosen daß er zum Teil “rechtsradikales Gedankengut verbreitet”. Das tut er, keine Frage, und ich distanziere mich hiermit von dieser menschenverachtenden Denke. Nichts desto trotz erfüllt er für mich alle Merkmale eines Trolls, daher bezeichne ich ihn so. Gründe dafür nenne ich später noch weitere. Anhand dieses Trolls hat sich eine Diskussion entzündet wie mit Störern umgegangen werden soll, wozu es mittlerweile auch mehrere Initiativen im “Liquidfeedback” (kurz LQFB) der Piratenpartei NRW gibt.

Die eine Initiative fordert keine Bans vorzunehmen: https://lqpp.de/nw/initiative/show/355.html – hierzu gab es bereits eine Diskussion in einem Pad, an der ich mich bereits beteiligt habe

Eine Gegeninitiative fordert einen Ban für Leute die bestimmtes Gedankengut verbreiten: https://lqpp.de/nw/initiative/show/357.html

Ein Ban bedeutet nichts weiter als den dauerhaften Hinausschmiss des Urhebers des Postings. Daniel Schwerd ist Unterstützer des zweiten Ansatzes und hat seine Gedanken dazu hier nierdergeschrieben: Werft sie hinaus! Warum wir Listentrolle nicht dulden sollten.,

Als Problematisch wird vorallem das rechte Gedankengut angekreidet, und man möchte es nachvollziehbarer Weise nicht auf der Liste haben, denn

  1. wir verturteilen menschenverachtende Denke
  2. sorgt es bei Betroffenen der Hetze für unwohlsein und gibt ihnen eventuell den Eindruck unerwünscht zu sein
  3. es lässt den falschen Eindruck aufkommen wir wären Sympathisanten dieser Denkweise
  4. die Funktionalität unserer Arbeitsmittel steht auf dem Spiel bei aus solchen Aussagen entstehenden Thread mit über 300 Beiträgen
  5. diese Aussagen könnten juristiziabel sein, und wir wollen keine Beihilfe leisten

Technische Gegebenheiten

Grundlagen

Um meinen Standpunkt zu verdeutlichen muss ich das Medium Mail hier genauer beleuchten, insbesondere in Hinblick auf Mailinglisten. Mailinglisten sind vom Prinzip her nur große Mailverteiler auf die ein Nutzer seine Mailadresse eintragen kann, und auch wieder entfernen. Die meisten bieten diese Möglichkeit sowohl via Web-Interface als auch per Mail, so auch der bei den Piraten gebräuchliche Mailinglistenmanager Mailman. Dieser ist so eingestellt daß er nur Mails annimmt die eine Absendeadresse tragen die bei der Mailingliste angemeldet ist. Um sich anzumelden muss man dem Mailman den Wunsch mitteilen, dieser schickt eine Mail an diese Adresse mit Instruktionen um die Mailadresse zu verifizieren. Das klingt nun erstmal nach einem sicheren Verfahren.

Nun aber zu dem Medium Mail ansich: Mails bestehen aus zwei Teilen, dem Header und dem Body, ich lege jedem die Lektüre der passenden RFCs 822 und 5322 nahe, der es genau wissen will, ansonsten tut es auch die Lektüre des Wikipedia-Artikels. Der Header enthält Verwaltungsinformationen wie Empfänger, Absender, Betreff, der Body hält die Nutzdaten, also den Mailinhalt.  Eingeliefert werden die Mails an Mailserver und somit auch die Mailingliste via SMTP (RFCs 821 bzw.  2821).

Ich zeige hier mal eine Beispiel-SMTP-Session, also Dialog zwischen Mailserver und Mailclient. Ich halte dabei den Server in Rot, den Client in Grün. Bitte nicht einfach überspringen, das ist essentiell für den Rest des Artikels.

  1. 220 mail.piratenpartei.de ESMTP Piratenpartei Deutschland Mail-System
  2. HELO client.example.test.org.
  3. 250 mail.piratenpartei.de
  4. 250 2.1.0 Ok
  5. RCPT TO: <nordrhein-westfalen@lists.piratenpartei.de>
  6. 250 2.1.5 Ok
  7. DATA
  8. 354 End data with <CR><LF>.<CR><LF>
  9. From: hannes@suntsu.org
  10. To: undisclosed
  11. Subject: Testmail
  12. Hallo zusammen,
  13. dies ist ein Test
  14. Gruss,
  15. SunTsu
  16. .
  17. 250 2.0.0 Ok: queued as E06BAA8609A
  18. QUIT
  19. 221 2.0.0 Bye

Zeilen 1-8 und 19-22stellen den SMTP-Dialog dar, ab Zeilen 9-18 sind somit die Mail ansich, wobei der Header von Zeile 9-11 geht, und 13-18 der Body der Mail sind. Diese werden durch Zeile 12, eine Leerzeile, getrennt. Was man an den Farben schön sieht: Sowohl Header als auch Body kommen vom Client, der Server macht im Normalfall eine grobe Plausibilitätsprüfung des Absenders – im SMTP-Dialog  zwischen Zeile 3 und 4. Zeile 4 sagt mir daß der als in Ordnung befunden wurde (Code “250” Übersetzung: “OK“).

Diese Mail geht an den Mailinglistenmanager Mailman, und so sie akzeptiert wird, wird von diesem sofort an alle Mailinglistenteilnehmer via ihres Mailservers geschickt. Haben die Mails den Mailserver einmal verlassen sind sie unwiederbringlich weg, und können auch nicht zurückgerufen werden. Es gibt Clients die vorgaukeln Mails widerrrufen zu können, was aber nur eine weitere Mail bedeutet die darum bittet die vorherige Mail zu löschen, ohne verbindlichen Charakter.

Konsequenz

Diese obige Mail wäre vom Mailinglistenserver nicht auf die Mailingliste gelassen worden, mit der Begründung daß es dort keinen Teilnehmer mit der Mailadresse hannes@suntsu.org gäbe. Sicherheitsfunktion greift also. Falsch gedacht. Wie gesagt, ich habe den Inhalt der Mail völlig unter meiner Kontrolle, ich kann dort auch einen beliebigen anderen Absender eintragen – den von Barack Obama, oder eines mir bekannten Mitglieds der Mailingliste. Sobald ich also die Teilnehmer einer Mailingliste kenne bin ich in der Lage beliebig auf die Mailingliste zu schreiben ohne selbst auf dieser angemeldet zu sein. Habe ich vor zu antworten melde ich mich mit einer unverdächtigen Mailadresse an, und lese damit die Liste, reagiere jedoch nur unter falschem Absender.

Das eingangs besprochene Syncom verhält sich übrigens ähnlich, es verhält sich der Mailingliste gegenüber wie ein Mailclient der Mails von vielen verschiedenen Absendern abliefert, und seinerseits Mails an einen Newsserver bzw. ein Forum weiterreicht.

Desweiteren heisst es auch, daß es sich nicht nachträglich geradebiegen lässt wenn eine Mail mit juristiziablem oder Stimmung vergiftendem Inhalt auf der Mailingliste landet.

(pseudo)FAQ

Wozu also der beschriebene Schutz der Mailingliste, mit Bestätigungsmail? Hier haben wir schon den fundamentalen Denkfehler:  Es ist kein Schutz der Mailingliste – es ist ein Schutz der Mailempfänger. Der Aufwand dient alleine dazu zu verhindern daß jemand anderes meine Mailadresse auf die Mailingliste einträgt und mich so mit hunderten Mails pro Tag bombadieren lässt. Die Mailingliste gewinnt dadurch nicht an Sicherheit oder Verlässlichkeit.

Aber die Einstellung daß keine Externen auf die Liste posten dürfen, was ist mit der? Die ist doch dann sinnlos! Nein, das ist sie nicht. Diese Einstellung dient als Schutz gegen Spammer die ihre Absenderadressen und Mailempfänger per Zufallsgenerator erzeugen.  Gezielter Mailfälschung jedoch hat eine Mailingliste von Natur aus nichts entgegenzusetzen.

Kann ich also keiner Mail trauen? Nein, alles an einer Mail ist fälschbar. Verifizierbarkeit gibt es nur Ende zu Ende, durch die Anwendung fortgeschrittener kryptographischer Verfahren. Der Mailinhalt lässt sich via OpenPGP (in Form von GnuPG oder PGP) oder S/MIME signieren, und so lassen sich Fälschungen des Absenders oder des Inhalts erkennen, hierfür ist allerdings noch weitere Infrastruktur drumherum notwendig. Die Header lassen sich nicht signieren, da sie auf dem Weg zum Teil verändert werden müssen, einen Schutz der Mailingliste erreicht man so nicht.

Die Forderungen

Es gibt die verschiedensten Ansätze das Problem zu lösen, und verschiedenste Forderungen wie mit Störern umgegangen werden soll, ich möchte mich hier zu einigen äußern. Die nachfolgende Liste erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Sollten mir Ansätze entgangen sein und ihr wüsstet gerne was ich davon denke, so schreibt mir doch bitte einen Kommentar dazu, ich nehme das gerne auf. Um Missverständnisse zu vermeiden: Moderation bedeutet hier nicht “schriftliche oder verbale Vermittlung zwischen Streitenden” sondern ein Moderator bekommt die Mails zur Prüfung vorgelegt und entscheidet aufgrund eines Regelwerks ob die Mail auf die Liste gelangen darf oder nicht.

  • dauerhafter Hinausschmiss
    • Klingt wie eine einfach Lösung, wirft aber verschiedene Fragen wie z.B. nach Regeln für den Rausschmiss auf. Was aber viel wichtiger ist: Es bringt nichts. Wie Jotun schon bewiesen hat (er heisst nun Captain) ist es ein Leichtes sich immer wieder anzumelden, Freemailprovider gibt es viele, und dass eine Neuanmeldung der bekannte Troll ist, ist nicht offensichtlich. Aber nicht nur das, wie weiter oben erläutert, der Störer muss ja nicht mit seiner eigenen Mailadresse schreiben, er kann jede beliebige Adresse nehmen die auf der Liste angemeldet ist und so weiterhin seinen Schabernack treiben.
  • Moderation des auffälligen Teilnehmers
    • Fände ich eine tolle Sache, klappte aber nur wenn der Nutzer auf einen Mailaccount beschränkt wäre. Ist er aber nicht. Diese Idee lässt sich also leicht aushebeln, siehe vorheriger Punkt
  • Moderation neuer Teilnehmer
    • Lässt sich sehr schön verwenden um Ressourcen auf Seiten der Listenadministration bzw. -moderation zu binden. Der Troll meldet automatisiert (wie oben geschrieben, das Abonnieren einerMailingliste geht via mail) immer neue Teilnehmer an, der Aufwand dieser Moderation wächst immer weiter. Zudem: Wir erwischen damit nur die tatsächlich neuen Teilnehmer und schränken diese ein. Der Troll hebelt das Verfahren aus indem er unter den Adressen alteingesessener Listenteilnehmern mailt
  • Moderation der gesamten Liste
    • Ja, das würde funktionieren. Es bedeutet allerdings vorallem daß ein riesiges Moderatorenteam benötigt wird, das aus völlig vertrauenswerten Personen besteht. Es führt allerdings trotzdem zu starken Verzögerungen des Listenaustauschs, besonders zu Stoßzeiten. Durch “Spammen” der Liste, wie im vorherigen Punkt beschrieben, lässt sich die Liste problemlos zum Stillstand bringen. Auch bedarf es einer Überprüfung der Moderation, Stichwort “Who watches the watchers”.
  • Markierung der Mails von Parteimitgliedern
    • Sehr heikel. Dazu bedarf es einer Datenbank aller von Mitgliedern verwendeten Mailadressen und Zuordnung zu einem Parteimitglied, das ist natürlich eine Forderung die eine Datenschutzpartei ablehnen muß. Ich möchte den Aufschrei nicht hören wenn das implementiert werden sollte, siehe LQFB-Diskussion. Darüber hinaus: Wie soll markiert werden? Es wäre technisch nur durch einen Mailheader realisierbar, den der Mailinglistenmanager hinzufügt. Aber was wenn der Troll diesen Header bereits selber mitschickt? Es wäre theoretisch möglich das fälschungssicher zu gestalten, das bedarf allerdings wiederum des Einsatzes von Kryptographie, und einer tiefgreifenden Änderung des Listenmanagers – und wird in dem Moment ad absurdum geführt wenn der Troll die Mailadresse eines Parteimitglieds als Absender verwendet.
  • Troll drin lassen, Stellung beziehen
    • Das halte ich für den einzig gangbaren Weg im gewählten Medium. In Kombination mit einem Disclaimer, z.B. im Mailinglisten-Footer, sicher eine gute Möglichkeit, sie bedarf allerdings einer besseren Selbstdisziplin, ich komme auf diese Forderung im Teil Medienkompetenz bzw. Fazit zurück.

Medienkompetenz

Im Allgemeinen

Medienkompetenz ist, wie der Name schon sagt die Kompetenz aktiv an Medien teilzunehmen, sie zu verstehen, ihre Anwendungsmöglichkeiten und ihre Grenzen erinzuschätzen bzw. zu begreifen, Inhalte aktiv aufzunehmen, zu hinterfragen und in Kontext zusetzen, laut Wikipedia sind das Folgende die Ziele der Medienkompetenz:

  1. Fähigkeit zur aktiven Kommunikation
  2. Kenntnis der technischen und organisatorischen Bedingungen
  3. Kompetente Rezeption

Und im Speziellen

Warum hebe ich hier auf die Medienkompetenz ab? Ich denke dass fehlende Medienkompetenz auf Seiten der Mailinglistenteilnehmern eine Teilschuld am Entstehen der Problematik zukommt. Nein, ich will keinem Unterstützung von z.B. rechtsradikalem Gedankengut anhängen, mir geht es hier um fehlendes Kompetenz in der Rezeption und daraus entstehende Defizite in der aktiven Kommunikation.

Siehe die oben festgestellten Probleme – Punkte 2 und 3 können Punkt 4 zur Folge haben. Warum? Niemand der anwesenden Piraten möchte Punkt 2 und 3 zu verantworten haben, und mehrere widersprechen daher den radilkalen Äußerungen, was wiederum andere zur Ergänzung verleitet, und dem Troll neue Nahrung gibt. Dieser diskutiert natürlich begeistert mit und jedes seiner Postings hat zur Folge daß man diese ja nicht unwidersprochen stehenlassen kann, was wiederum den Troll, usw usf, der Thread wächst exponential und in kürzester Zeit hat man die Mailingliste vorrübergehend unbrauchbar gemacht. Dieses Ergebnis würde übrigens durch Moderation noch verschlimmert, da es zusätzlich noch die Moderatoren lahmlegte.

Wie sähe ein souveräner und mediengerechter Umgang mit dieser Problematik aus? Dieser hat mehrere Facetten, zum Einen die kompetente Rezeption: Ich muss nicht alles lesen was in einer Mailingliste passiert. Wenn ich bekannte Trolle sehe kann ich diese getrost ignorieren, oder sie mir gar von meinen Filtern ausblenden lassen, oder auch Teilbäume einer Diskussion die von einem bekannten Störer gestartet werden kann ich mental oder automatisch ausblenden. (An dieser Stelle ist es überaus praktisch wenn der Troll als bekannt erkennbar ist und nicht gezwungen wird unter wechselnden Identitäten zu schreiben).  Teil zwei ist ebenso wichtig: Die aktive Kommunikation – oder auch Nicht-Kommunikation, je nachdem. Es reicht völlig wenn einer oder zwei dem Troll widersprechen, das muss nicht jeder einzeln tun. Selbstdisziplin ist dabei ein beliebtes Stichwort. “Es wurde schon alles gesagt, aber nicht von jedem” – das braucht man nicht. Wichtig ist dass klar zu erkennen ist, dass diese Art Meinung keine Unterstützung findet – das zu erkennen ist aber viel einfacher wenn der Diskussionsfaden kurz ist. Ich würde da auch anregen eine Standardmail zur Stellungsnahme zu verfassen, und bin auch gerne bereit mitzuarbeiten. Das macht es einfacher die Diskussion kurz zu halten. “Unerwünscht. Wir distanzieren uns. Fertig.”

Mir wurden auf Twitter vorgeworfen durch meine persönliche Filteranwendung Stoppschildpolitik zu betreiben: Das ist Unsinn und kann nicht weiter an der Realität vorbeigehen. Mir als Rezipient kommt die Aufgabe zu die auf mich einstürmenden Informationen zu sortieren, zu kategorisieren, zu priorisieren, und schlussendlich zu verarbeiten um sie zu verstehen. Ob ich diese Auswahl nun selber von Hand treffe oder mir einen Teil dieser Arbeit nach von mir gewünschten Regeln abnehmen lasse ist unerheblich. Es ist meine ureigenste  Notwendigkeit zu filtern. Ich lese bei Mailinglisten auch nie alles, es sei denn ich langweile mich extremst, sondern picke mir die Diskussionen heraus die mich interessieren und mir einen Informationsgewinn versprechen, das ist ebenfalls Filterung und kann von Software unterstützt werden, z.B. indem bestimmte Schlüsselwörter eine Diskussion als wichtig anzeigen lassen.

Auch die Forderungen zeigen für mich deutlich dass anscheinend die technischen Bedingungen und vorallem Grenzen nicht verinnerlicht sind, und weisen auf fehlende Medienkompetenz hin. Wie im entsprechenden Abschnitt gezeigt sind Sperr- oder Moderationswünsche völlig illusorisch, da sie an der technischen Machbarkeit weit vorbeigehen. Mail ist als Medium schlicht nicht zuverlässig, sicher und verifizierbar genug um irgendetwas forcieren oder einschränken zu können, das sollte man wissen bevor man versucht ein Medium zu regulieren.

Der Wunsch juristiziable Mails von der Mailingliste fernzuhalten ist verständlich aber, wie ausgeführt, genauso illusorisch, auch der nachträgliche Rauswurf des Verfassers entfernt diese ausgelieferten Mails nicht, genauso wenig verhindert er dass erneut ähnliche Mails desselben Verfassers auf der Liste landen.

An mehreren Stellen wurde als Begründung für einen Rauswurf des Verfassers der Wunsch ein Zeichen zu setzen genannt. Auch das scheitert an den Gegebenheiten einer Mailingliste. Wird ein Teilnehmer der Liste entfernt wird das nirgends bekanntgegeben, alleine der Administrator und der Herausgeworfene selber wissen davon. Ein “Statement” ist das daher nicht. Dafür muss man den Vollzug auf die Mailingliste schreiben, was meiner Erfahrung nach in vielen Fällen zu einer langen Diskussion über den erfolgten Akt der Moderation führen wird, und somit wiederum die Mailingliste belastet.

Mir wurde auch vorgeworfen ich würde das abgesonderte rechtsradikale Geseier verharmlosen, und dass ich das absondernde Subjekt einen Troll nenne würde zeigen wie wenig ernst ich das Thema nehme. Auch dem möchte ich mit Hinweis auf die kompetente Rezeption widersprechen. Ich habe mir Jotun/Captain und sein Kommunikationsverhalten angesehen, gschaut was er schreibt und wozu er sich äußert und habe den Eindruck gewonnen dass es ihm nicht um das Vertreten menschenverachtender Ansichten geht sondern um das Provozieren. Er gibt überall seinen Senf dazu wo Sprengpotential besteht und versucht auf viele mögliche Arten zu provozieren. Er artikuliert sich nicht hauptsächlich rechtsradikal, vielmehr habe ich den Eindruck dass er gemerkt hat dass rechtsradikale Polemik die meisten Beissreflexe auslöst und ihm daher das meiste Provokationspotential liefert

Fazit

Ich erlebe ein unangenehmes Comeback der Zensursuladebatte aus einer unerwarteten Richtung. Aufgrund einer minimalen “Bedrohung” (Es handelt sich immerhin um einen einzigen Troll derzeit) wird die Regulierung eines Mediums gefordert dass das nicht hergibt, weil “man ja was tun” müsse. Man möchte gerne ein Zeichen setzen, und fordert dafür Maßnahmen die wirkungslos sind und großes Schadpotential beherbergen. Und hier habe ich noch nicht einmal auf die soziale Komponente abgehoben, die dabei ebenfalls enormen Schaden nehmen würde. Wer meine Einschätzung dazu wissen möchte, ich kann dem gerne einen späteren Blogeintrag widmen.

Ich persönlich würde auf Moderations- und Rauswurfversuche verzichten und mich lieber via Disclaimer im Footer der Mailingliste und in Form einer Standardmail von menschenverachtenden Äusserungen distanzieren und bitte allerseits um mehr Selbstdisziplin und Souveränität beim Umgang mit Jotun und Konsorten.

Wenn wir jetzt anfangen unsere eigenen Arbeitsmittel zu zerstören haben die Trolle das erreicht was sie wollen, und wir haben verloren.